Austausch

Persönliche Begegnungen und Gespräche mit unseren Partnerkirchenkreisen sind uns wichtig. Trotz der modernen Kommunikationsmittel - einen persönlichen Kontakt können sie nicht ersetzen.
Partnerschaft braucht Gesichter: Der persönliche Austausch vermittelt am authentischsten und glaubwürdigsten, wie das Leben unserer Brüder und Schwestern in der Ferne aussieht, welche Sorge und Nöte bestehen, aber auch welche Freuden und Erfolge sie beflügeln.

Immer wieder gibt es Treffen mit unseren Partnern und Stipendiatinnen und Stipendiaten der AUSBILDUNGSHILFE - vor Ort in den Ländern, wie auch manchmal in Kassel. Delegationen aus den Kirchenkreisen der Landeskirche machen sich auf den Weg, um in Workshops und Diskussionsrunden theoretisch zu arbeiten; aber auch in kulturellen Veranstaltungen und Besuchen zu Hause das jeweilige einheimische Leben kennenzulernen.

In vielen Kirchenkreisen gibt es im zweijährlichen Rhythmus einen regen persönlichen Austausch zwischen Vertretern unserer Kirche und den Partnerkirchen. Der angenehme Nebeneffekt für unseren Verein: Die Besucher aus Kurhessen-Waldeck können mit eigenen Augen sehen, welchen Segen die AUSBILDUNGSHILFE für die jungen Menschen vor Ort bedeutet. Häufig sind die Mitglieder der nach Deutschland kommenden Delegationen mitverantwortlich für die Vergabe der Stipendien oder haben selbst die Unterstützung der AUSBILDUNGSHILFE erfahren.

Wir freuen uns über all diese
Erfolgsgeschichten.

 

Bericht über eine Reise zu Partnern der AH in Afrika

Südafrika, Swasiland und Kamerun waren die Ziele der Reise des Geschäftsführers der Ausbildungshilfe (AH) Eberhard Will und Rolf Römer, ehrenamtlicher Mitarbeiter, vom 18. 11. – 06.12. 2015
Die wirtschaftliche Situation dieser und anderer afrikanischer Staaten weist im Augenblick einige Gemeinsamkeiten auf. Sinkende Rohstoffpreise bedeuten, dass das an Rohstoffen reiche Afrika weniger für seine Produkte erhält und sich die in der Regel ausländische Gesellschaften zurückziehen, weil die Rentabilität für sie nicht gewährleistet scheint. Der Schweizer Wirtschaftsriese GLENCOR hat beispielsweise  zwei Minen in Südafrika geschlossen.
Die Wirtschaftsmacht China war in den vergangenen Jahren massiv in das Afrika-Geschäft eingestiegen. Jetzt sind die Zuwachsraten nicht mehr so hoch wie zuvor und China hat deshalb seine wirtschaftlichen Aktivitäten verlagert: Weg von den großen Kapital-Investitionen wie Bergbau und Holz-Monokulturen hin zu Bereichen, die letztlich den innerafrikanischen Konsum ankurbeln könnten.
Die Konsequenzen in dieser Umbruchsphase in allen drei von uns besuchten Ländern sind ähnlich: Hohe Arbeitslosigkeit gerade bei Jugendlichen nach ihrer Schulausbildung, Schwerfälligkeit der politischen und wirtschaftlichen Machteliten, auf diese Veränderungen gestaltend Einfluss zu nehmen. Die Machteliten vor allem in Swasiland und Kamerun schotten sich ab, in Südafrika wird vor allem von gut ausgebildeten Menschen eine gesellschaftspolitische Stagnation um die alten ANC-Führungskader beklagt. Korruption und Nepotismus sind durchgängig in allen drei besuchten Staaten Alltag.
Hinzu kommen die Auswirkungen der hohen Todesraten als Folge von AIDS bei sexuell aktiven Menschen: Überall hörten wir von verstorbenen Familienmitgliedern oder Mitarbeitern, Kinder werden von den Großeltern aufgezogen, schwangere Schülerinnen verlassen aus Scham die Schule. Die Staaten Kamerun und Swasiland gehen dieses Problem kaum an, bei Fragen nach „sex education“ in Schulen der Sekundarstufe wurde ohne Kommentar mit einem hilflosen Lächeln beantwortet. Die Lebenserwartungen in Swasiland (unter 50) und Kamerun (55) gehören zu den niedrigsten der Welt.
Umso mehr überraschte uns dann positiv, dass unsere Partner von der Presbyterianischen Kirche in Kamerun sich aktiv und aufklärerisch in die Kampagne zum World AIDS Day einmischten. Als Gäste waren wir bei einer öffentlichen Kundgebung in Kumasi dabei.
Vor diesem facettenreichen und unterschiedlichen Hintergrund gestalteten sich unsere Gespräche mit den Vertretern der Partnerorganisationen vor Ort denn auch mit unterschiedlicher Zielrichtung.
In Südafrika trafen wir mit Stipendiatinnen und Stipendiaten der AH zusammen, die selbstbewusst über ihre Herkunft aus Soweto sprachen, darüber wie ihre Umgebung auf diesen „Makel“ reagierte und wie sie gleichwohl mit Hilfe der Zahlungen der Schul-Gebühren durch die AH den Aufstieg schafften.
Eberhard Will und Rolf Römer führten die Gespräche in Südafrika mit dem Ziel, Partner stärker zu eigener Verantwortlichkeit zu ermutigen. Wirtschaftlich günstigere Bedingungen in Schwellenländern wie Südafrika mit finanziell auch stärker werdenden Kirchen und Gemeinden können so stärker der Gefahr der Abhängigkeit von den Geldgebern entgegentreten. Diese Debatte hatten wir zuvor sehr dezidiert schon in Indonesien geführt, „ ownership“ also eigene Verantwortungsübernahme, war dabei das Stichwort.
Das Einbeziehen ehemaliger Stipendiatinnen und Stipendiatinnen war in Südafrika eine weitere Facette in diesem Zusammenhang: „pay back“ im Sinne von Rückzahlen eines Teils der Stipendien. Es ist ein Versuch, dass sich nunmehr berufstätige junge durch die AH geförderte Menschen zur Begleitung der nächstfolgenden Generation bereit erklären. Bei beiden Zielen gab es Konsens; immer wieder muss daran gearbeitet werden, diese Vorstellungen auch tatsächlich zu  realisieren.
Ganz anders die Gespräche in Swasiland und in Kamerun. In beiden Ländern gab es bei unseren afrikanischen Partnern die teilweise vehement vorgetragene Bitte um einer Erhöhung der Zuwendungssumme. Hier ging es bei unseren Gesprächen darum, dass unsere Partner die Diskussion um Gestaltung und Schwerpunktsetzung der Fördermaßnahmen gemeinsam mit der Geschäftsführung führen. Das  kann im Einzelnen heißen: Ist  eine Reduzierung  der Zahl der geförderten Personen mit einer  individuell höheren Fördersumme einer Förderung vieler junger Leute mit niedriger Unterstützung vorzuziehen? Sollte nicht stärker eine Schwerpunktsetzung der Fördermaßnahmen im College und Universitäts-Bereich vorgenommen werden? Sollte stärker im Bereich des Berufsschulwesens gefördert werden?
Vieles kann zwischen der AH und ihren Partnern durch Korrespondenz erledigt werden.  Grundsätzliche Dinge bedürfen jedoch immer wieder der Einsichtnahme vor Ort und der direkten Verhandlungen von Angesicht zu Angesicht.